Tina am Ironman in Roth (D)

 

Tina hat sich an den Iron Man in Roth gewagt und hat sich wacker geschlagen! Herzliche Gratulation zu dieser Leistung! Sie hat mittlerweile sogar die Kraft gefunden ein kleines Rennberichtlein zu verfassen:

Rennberichtli von der Challenge Roth im Juli. 

Prolog: „Was für krasse Spinner! Das muss ich auch machen…“ Sagte ich mir, als ich vor ein paar ereignisreichen Jahren, Zeuge des Ironman in Zürich wurde. Um dieses Ziel zu verwirklichen musste ich mich allerdings auch ersteinmal mit der Idee anfreunden mit einem Rennrad zu fahren… so weit vorgebeugt? Ist doch sicher extrem unbequem… und mit Brustschwimmen kommst Du hier auch nicht weit… Kraulschwimmen ist also das Ziel.

Im vergangenen Monat war es dann soweit.

Ein warmer Sommertag kündigt sich an. Ich stehe in meinem dynamisch, feschen Neo Einteiler vor einem Bauzaun und winke zum Abschied bevor ich in einer gleichförmigen Masse von bunten Badekappen verschwinde. Ich bin aufgeregt. Hab ich mich gut vorbereitet? Naja, sagen wir „sie hat sich redlich bemüht“. Aber nun gibt es kein Zurück mehr, noch ein Startschuss und dann steht mir das Wasser schon bis zum Hals. Schnell finde ich meinen Platz in der friedlichen Herde von Frauen. Links… rechts, links… noch auf Kurs? Jo…. Links… rechts…Im Vergleich zu einem See hat der Kanal deutliche Vorteile bei der Orientierung.

Irgendwann kommt Unruhe ins Feld. Donnernd brechen die ersten Wellen der schnellen Männer über uns hinweg. Jetzt nicht panisch werden, einfach weiter machen und hoffen, dass niemand den Transponder am Fuss abreisst. Nach gut 1,5h komme ich doch recht fit aus dem Wasser. Beutel greifen, Neo ausziehen und endlich meinen ultra schicken, VCP Einteiler vorzeigen. Sonnencreme? Total überbewertet, ich bin eh so schnell, das Licht trifft mich gar nicht!

Eigentlich hab ich mir ja auch ein Zeitfahrad gekauft und eigentlich wollte ich das heute auch benutzen nur leider, kann ich auf dem Sattel nicht sitzen und 180 km? Somit wartet in der Wechselzone mein solides Genesis auf mich. Rauf aufs Rad und los. Zwei Runden a 90 km und der Solarer Berg als Hauptattraktion = Ein knackiger Anstieg und max 1m Durchfahrbreite zwischen jubelnden und nicht selten betrunkenen Menschen. Unterwegs hab ich vielleicht 4 Leute mit Rennrädern entdeckt, der Rest hat mich „woupwoupwoup“ überholt. So viel zur Lichtgeschwindigkeit. Ein kleines bisschen erleichtert war ich doch nach 6,5h die Wechselzone erreicht zu haben. Fahrrad weg, Laufschuhe an,  Sonnencreme? Überbewertet!

Voll motiviert sprinte ich also los, sprudel über vor Motivation, bin voll schnell! Nach einer ganzen Weile erreiche ich die erste Entfernungsmarkierung: 1 km. EIN Kilometer? Echt jetzt?? Vielleicht doch die Strategie überdenken? Also hangel ich mich vorwärts bis km 30 und muss dann doch, wie vorgesehen, das Laufen anfangen. Vielleicht hätte ich vorher doch etwas öfter als 6x joggen gehen sollen… Etwas später treffe ich dann noch meinen Freund im sich ständig verkleinernden Publikum an und schimpfe: „Mir tut alles weh, meine Füsse tun weh, meine Knie tun weh… sogar meine Haut tut mir weh!“ Holte mir mein Küsschen ab und zuckelte weiter. Sogleich trat ein in der Nähe stehender Engländer an meinen Freund heran: „Did you know her?“ 😀

Die Füsse schwer wie Blei treibe ich mich doch immer wieder zum Traben an und erreiche das lang ersehnte Ziel. 13h:45. Eine knappe Stunde länger als erhofft. Nach dem Event bin ich noch einige Stunden lang verpeilt und hätte ohne Hilfe mein Fahrrad wohl nie wieder gefunden, geschweige denn aus dem Finisher Zelt heraus! Natürlich hat mich die Sonne schwerstens verbrannt und ich hab noch einige Wochen meine Startnummer auf dem Oberarm zur Schau getragen.

Das war wirklich das härteste, das ich bisher gemacht hab und darum hab ich mich auch gleich fürs nächste Jahr wieder angemeldet. 🙂

IMG_20170726_170141_358 IMG_20170726_170310_964 IMG_20170726_170526_573